Frühling 2026: Cynthia Fleury
BIOGRAFIE
Cynthia Fleury, geboren 1974, ist eine französische Philosophin und Psychoanalytikerin. Sie ist ordentliche Professorin für den Lehrstuhl Humanités et Santé am Conservatoire national des arts et métiers (CNAM) sowie assoziierte Forscherin am Centre de recherches politiques von Sciences Po (CEVIPOF).
Als Spezialistin für politische Philosophie und Ethik der Sorge befassen sich ihre Arbeiten insbesondere mit den Pathologien der Demokratie, der Würde, dem Mut, dem Ressentiment sowie mit zeitgenössischen Fragen der Sorge. Sie ist Autorin zahlreicher Publikationen und beteiligt sich regelmäßig an öffentlichen Debatten.
Parallel zu ihrer akademischen Tätigkeit ist sie in institutionelle und kulturelle Projekte eingebunden, die Philosophie, Gesundheit und Gesellschaft miteinander verbinden, und wirkt in verschiedenen wissenschaftlichen Beiräten und öffentlichen Initiativen mit.
WERKE
- Métaphysique de l'imagination, D’Écarts, 2000
- Mallarmé et la parole de l’imâm, D’Écarts, 2001
- Pretium doloris. L'accident comme souci de soi, Pauvert, 2002
- Dialoguer avec l’Orient. Retour à la Renaissance, PUF, 2003
- Difficile tolérance (avec Yves Charles Zarka), PUF, 2004
- Manifeste pour une nouvelle école (avec Jean-Luc Muracciole), Little Big Man, 2005
- Les Pathologies de la démocratie, Fayard, 2005
- La Fin du courage. La reconquête d'une vertu démocratique, Fayard, 2010
- Les Irremplaçables, Gallimard, 2015
- Le soin est un humanisme, Gallimard, 2019
- Répétition générale, Gallimard, 2020
- Ci-gît l’amer. Guérir du ressentiment, Gallimard, 2020
- Ce qui ne peut être volé. Charte du Verstohlen (avec Antoine Fenoglio), Gallimard, 2022
- La Clinique de la dignité, Seuil, 2023
KURS : Humanités cliniques, santé et démocratie – Penser les transitions politiques à l’èrepost-moderne
Dieser Kurs schlägt vor, den aktuellen Kontext westlicher Demokratien zu analysieren, die mit paradigmatischen Herausforderungen konfrontiert sind: Ist ein wachsendes Misstrauen gegenüber dem Rechtsstaat festzustellen? Wie lassen sich die Belastungsproben der demokratischen Institutionen beschreiben und überwinden? Kann von einem defizitären Verhältnis zur Sprache, zum Symbolischen und zu den Regimen der Wahrheitsproduktion (régimes de véridiction, Foucault) gesprochen werden? Und inwiefern verändern die planetaren Grenzen die traditionellen Modelle von Produktion und Konsum grundlegend?
Stehen wir vor diesem Hintergrund vor einer systemischen Hervorbringung menschenunwürdiger Lebenslagen, die individuelle Verwundbarkeit sowie soziale und psychische Prekarität verschärfen und das Prinzip der menschlichen Würde selbst infrage stellen? Und lässt sich durch die Mobilisierung zentraler Konzepte der klinischen Humanwissenschaften eine wirksame Neubestimmung des Verhältnisses zwischen individueller Gesundheit, öffentlicher Gesundheit und demokratischer Resilienz entwickeln, um diesen postmodernen Fehlentwicklungen entgegenzuwirken?
Der Kurs stützt sich insbesondere auf kritische Beiträge aus der politischen und moralischen Philosophie (Würde, Vulnerabilität, Resilienz, soziale Gerechtigkeit) und integriert zugleich Ansätze aus der institutionellen Psychiatrie (François Tosquelles, Jean Oury, Félix Guattari) sowie der Sozialpsychologie (Kurt Lewin, Stanley Milgram, Serge Moscovici), um zeitgenössische Formen demokratischer Pathologien (Populismus, Autoritarismus, sicherheitspolitische Entgleisungen) zu diagnostizieren. Zudem werden theoretische und praktische Ansätze untersucht, die es ermöglichen, neue politische Modelle zu entwerfen, die auf einer Neudefinition des Rechtsstaats und der Aufwertung demokratischer Gemeingüter beruhen – unerlässlich für die demokratische Regeneration sowie für die Bewahrung ökologischer und sozialer Gleichgewichte.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Analyse konkreter sozialpolitischer und gesundheitlicher Experimente, die Lösungswege für gegenwärtige Konflikte und Dilemmata eröffnen: sogenannte Third Places, alternative Wohnformen wie Earthships, Praktiken der Pflege, Instandhaltung und Reparatur des Bestehenden, die Entstehung neuer kritischer Epistemologien usw. Der Kurs untersucht ferner, wie die klinischen Humanwissenschaften einen fruchtbaren Dialog zwischen evidenzbasierter Medizin (evidence-based medicine) und evidenzbasierten Humanwissenschaften (evidence-based humanities) fördern können, um Reflexion und Handeln in den Bereichen der öffentlichen Gesundheit und der Demokratie zu vertiefen.